An den Vorstand der
Deutschen Bahn AG
Potsdamer Platz 2
10785 Berlin
Dieser Brief geht nachrichtlich an: Oberbürgermeisterin Dieckmann; Herrn Kelber, MdB; Herrn Borjans, Leiter des Kommissariats Vorbeugung der Polizei Bonn; Herrn Broil, Vorstand des ADFC Bonn/Rhein Sieg; Herrn Kleinfeld, Bonner Generalanzeiger sowie mehrere Bonner Fahrradläden. Er wird zudem als offener Brief auf der Internetseite www.bonn-gleis1.de veröffentlicht. |
Sehr geehrter Bahnvorstand,
um es gleich vorweg zu nehmen:
Ich bin wütend! Ich bin sehr wütend über den Fahrradklau am Bonner Hauptbahnhof.
Kurz zu meiner Person:
Mein Name ist Dr. Daniel Tibussek, ich bin Kinderneurologe an der Universitäts-kinderklinik Düsseldorf, Vater von 2 Kindern, leidenschaftlicher Fahrradfahrer und ein überwiegend ausgeglichener Mensch.
Die Bahn bezeichnet mich als „Comfort Kunde“, ich bin seit 20 Jahren Bahn-Vielfahrer.
Da mein Wohnort Bonn ist, bin ich wegen meiner Arbeitsstelle gezwungenermaßen Dauerpendler. Aus Gründen des Umweltschutzes und der persönlichen Gesundheitspflege wegen fahre ich mit Rad und Bahn nach Düsseldorf. Ich fahre seit 5 Jahren täglich 20 km mit dem Rad hin und her zwischen Bonn Hbf und Heimat bzw. Düsseldorf Hbf und Uniklinik.
Angesichts dieser gefahrenen Rad-Kilometer habe ich gewisse, aber nicht übertriebene Ansprüche an Komfort und Sicherheitsausstattung meines Fahrrads gestellt. Auch habe ich, wo immer möglich, alle Präventionsmaßnahmen ergriffen, die im Rahmen der "Meins bleibt meins" -Kampagne des ADFC empfohlen wurden.
Trotzdem habe ich Grund zu klagen. Der Grund meiner Kontaktaufnahme ist folgender:
Seit Anfang 2008 habe ich folgende traurige persönliche Bilanz zu verzeichnen:
- 1 geklautes Paar hochwertiger Pedalen
- 1 geklautes Reisetreckingrad, das wenige Monate zuvor generalüberholt wurde (ca. 500 Euro Investition)
- 1 vandalisch zerlegtes neues Rad am Weiberfastnacht abends (herausgeschnittener Nabendynamo, komplett ausgebautes Hinterrad mit 8 Gang Nabenschaltung)
Daneben habe ich sicher 5 oder mehr Batterie-betriebene Lampen "verloren", die, einem Naturgesetz folgend, am Abend weg sind, wenn man sie versehentlich vergisst abzunehmen.
All dies geschah an den Fahrradstellplätzen der Bahn, Gleis 1, Bonner Hbf, über Tag. Die Räder waren mit hochwertigen Schlössern nach allen Regeln der Kunst angeschlossen.
Ich kann und will dies nicht mehr tatenlos hinnehmen!
Ich möchte daher gemeinsam mit der Bahn, der Stadt Bonn und der Bonner Polizei sowie weiteren Betroffenen und Engagierten über sinnvolle Lösungsmöglichkeiten diskutieren/nachdenken und (!) diese auch umsetzen.
Meine Überzeugung ist: Fahrradklau ist keine Naturgesetz! Schon gar nicht in dieser organisierten und professionellen Weise (z.B. gezielter Diebstahl von hochwertigen Einzelteilen).
Meine Meinung ist: hier ist die Bahn zu allererst gefragt aktiv zu werden, denn es geht um ihre treuesten Kunden.
Dieser meiner und nicht nur meiner Meinung sowie einigen konkreten Lösungsvorschlägen möchte ich mit der Internetseite www.bonn-gleis1.de Nachdruck verleihen.
Die Tatsache, dass der Stellplatz am Gleis 1 am Bonner Hbf, wie viele Bahnhöfe in Deutschland, bekanntermaßen ein Schwerpunkt des Bonner Fahrraddiebstahls ist, ist für mich als Bahnkunde, der jährlich > 3000 Euro an die Bahn zahlt (wie gesagt: "Bahn comfort" Kunde), und als leidenschaftlicher Fahrradfahrer nicht mehr zu ertragen.
Es ist aber ausdrücklich nicht mein vordringliches Ziel zu nörgeln.
Ich habe vielmehr eine Kampagne initiiert in der Hoffnung, die Verantwortlichen dazu zu bewegen, mehr Energie zu investieren in die Vorbeugung von Fahrraddiebstählen am Bonner Hauptbahnhof.
Diese Kampagne wird aktuell gestartet mit einer bereits veröffentlichten Internetseite:
www.bonn-gleis1.de und der Information der Presse über den Missstand des organisierten Fahrradklaus an Gleis 1, der aus meiner Sicht und Sicht vieler anderer Geschädigter viel zu sehr achselzuckend hingenommen wird.
Es soll nicht dabei bleiben, Missstände zu beschreiben und Schuldige zu suchen. Es ist vielmehr mein dringlicher Wunsch eine Art Bonner "task force" einzurichten, die sich mit allen Kräften diesem Problem stellt.
Ich weiß sehr wohl, dass man dem Fahrradklau nicht in ganz Bonn Herr werden kann. Aber wäre es nicht wunderbar, wenn wenigstens einer der größten Fahrradstellplätze der Stadt ohne Angst und Sorge genutzt werden könnte?
Wir sprechen immerhin über einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Bundesstadt Bonn, den Bonner Hauptbahnhof. Wir sprechen zudem über die treusten Bahnkunden.
Meine konkrete Idee ist, in einem ersten Schritt möglichst Viele, die etwas zur Lösung des Problems beitragen können und wollen, an einen Tisch zu bekommen, den Status quo zu analysieren, zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Man kann hier sicher auf viel Vorarbeit des ADFC und anderer Organisationen zurückgreifen.
Diesen Lösungsvorschlägen sollten dann mit Unterstützung der Verantwortlichen, Bahn, Stadt Bonn, Polizei Bonn, möglichst bald konkrete Taten folgen.
Ich freue mich sehr über positive Rückmeldungen seitens der Bahn, aber auch seitens der nachrichtlich informierten Personen, in dem Sinne, dass Sie bereit wären sich an einer solchen Aktion zu beteiligen. Da ich weiß, dass Sie alle viel beschäftigt sind, wäre ich froh darüber, wenn Sie mir konkrete Namen von Personen nennen, an die sie diese Aufgabe delegieren werden, damit wir sehr bald ein erstes Treffen in Bonn organisieren können.
Den Interessierten werde ich regelmäßig auf der oben genannten Internetseite über die Fortschritte der Diebstahl-Vorbeugemaßnahmen berichten.
„Sehr geehrte Bahn: Lassen Sie mein Rad nicht unbeaufsichtigt!“
In diesem Sinn freue ich mich über baldige Rückmeldung.
Mit freundlichen Grüssen
Dr. Daniel Tibussek